Gleichgewichtsbereiche
 
 

Gleichgewichtsbereiche

Auch für geübte Fahrer ein Thema, aber noch mehr für Fahrschüler / Fahranfänger: der richtige Umgang mit dem Gleichgewicht. Eigentlich eine Never Ending-Story. Hier auf den Punkt gebracht.

Ein Motorrad wird durch die Kreiselkräfte der drehenden Räder im Gleichgewicht gehalten. Allerdings erst ab einer ausreichenden Geschwindigkeit. Darunter muss der Fahrer aktiv werden um nicht umzufallen.


Gehen wir davon aus, dass ab ca. 11 km/h (ein Erfahrungswert, der für unsere Schulmotorräder recht gut passt) das Motorrad eigenstabil ist. In unserer Grafik ist das der grüne Bereich (Gleichgewichtsbereich III). In diesem Bereich sind die Kreiselkräfte so groß, dass das Motorrad nicht umfällt. Auch wenn ich freihändig fahren würde, würde das Motorrad im Gleichgewicht bleiben. In diesem Bereich ist die Herausforderung nur, das Motorrad in die richtige Richtung zu lenken. Schnelle Richtungsänderungen (Ausweichmanöver, Korrekturen in der Kurve) können aufwendig werden.


Fahre ich langsamer, verliert das Motorrad seine Eigenstabilität. Jetzt muss der Fahrer das Gleichgewicht durch Lenkbewegungen aufrecht erhalten. Wir befinden uns jetzt im gelben Berich auf der Grafik (Gleichgewichtsbereich II). Vergleichbar ist das mit dem Ausbalancieren eines Besenstiels. Vorerst funktioniert das ganz gut. Aber je langsamer ich fahre, umso schwieriger wird das Ausbalancieren und schließlich unmöglich. Bis zu welcher Geschwindigkeit das Ausbalancieren gelingt, hängt vom Können des Fahrers und von der Art des Motorrades ab. Motorräder mit wenig Gewicht, niedrigem Schwerpunkt und größeren Raddurchmessern sind leichter auszubalancieren.
Kritisch in diesem Geschwindigkeitsbereich ist, dass der Fahrer die ganze Konzentration dafür braucht und deshalb fehleranfällig wird. Oft kommt es zu unsauberer Kupplungsbedienung, Schreckbremsungen mit der Handbremse, falscher Linie beim Einbiegen.
Bevor diese Fehler passieren, muss ich bewusst das Tempo in den Gleichgewichtsbereich I bringen.


Dieser Bereich ist der unatraktivste. Gehen mit Motor sieht nicht peppig aus. Aber es funktioniert sehr verlässlich. Auch im extremen Langsambereich, mit schweren Motorrädern, mit Beifahrer - es funktioniert immer. Vorschlängeln zwischen engstehenden Autokolonnen, Vortasten bei unübersichtlichen Kreuzungen sind die typischen Anwendungen. Schwierigkeiten gibt es dann, wenn beim Langsamerwerden der Übergang von Bereich II zu Bereich I zu zögerlich vollzogen wird. Dann ist das Tempo zum Ausballancieren zu gering, zum Mitgehen noch zu hoch.