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Motorradfahren im Winter

Zumindest im Osten Österreichs, ist das Motorradfahren im Winter mittlerweile üblich geworden.

Für alle, das Motorradfahren auch im Winter nicht aufgeben wollen, haben wir ein paar Ratschläge zusammengestellt.

Das Motorrad

Batterie
Die Batterie hat es im Winter denkbar schwer. Startvorgänge bei niedrigen Temperaturen belasten die Batterie enorm.
Bei Vergaser-Motorrädern sollten Kaltstarts deshalb sorgfältig vorbereitet werden. Vergaser-Motorräder haben häufig einen Choker als Kaltstartvorrichtung. Häufig wird der Choker durch gleichzeitiges Gas geben wieder unwirksam und dadurch die Startdauer verlängert. Im Zweifel lassen Sie sich den Startvorgang bei niedrigen Temperaturen von ihrem Mechaniker erklären.
Moderne Motorräder mit Benzineinspritzung machen meistens keine Probleme. Aber auch hier gilt: Batterie schonen. Zündung erst einschalten wenn Sie startbereit sind. Sons zieht das Abblendlicht viel Strom von der Batterie ab. Was im Sommer vielleicht noch gut geht, setzt im Winter die Batterie außer Gefecht.

Reifen
Motorradreifen brauchen die richtige Betriebstemperatur, um eine vernünftige Bodenhaftung aufzubauen und das Erreichen der Rutschgrenze rechtzeitig anzuzeigen. Besonders bei Hochgeschwindigkeitsreifen (alle ZR-Reifen), wird es bei den niedrigen Wintertemperaturen heikel. Wer bei normalen Temperaturen gewohnt ist, sich immer wieder an der Rutschgrenze zu bewegen, sollte im Winter großzügige Reserven einkalkulieren.

Mit Motorrädern mit Enduro-Bereifung wird man sich im Winter in dieser Hinsicht leichter tun. Die breiten Rillen bewirken, dass der Reifengummi mehr Walkbewegung macht und damit leichter Temperatur aufnimmt.

Bei Fahrten mit nicht allzu hohen Geschwindigkeiten, kann der Reifendruck um 0,2 bar abgesenkt werden um etwas mehr Reifentemperatur aufzubauen.

Gönne deinem Motorrad eine Garage:

Abdeckhauberl hin oder her; das Motorrad gehört in eine Garage. Kälte, Split und Salzstreuung sind Mord für das Motorrad. Wenn das Motorrad einmal bei diesen Bedingungen draussen gestanden ist, sollte es möglichst schnell gewaschen ordentliche getrocknet und die Kette mit Kettenspray behandelt werden.

Der Fahrer

Frieren kann zumindest eingeschränkt werden. Investiere in wirklich gute Winterhandschuhe. Es geht nicht nur um den Komfort sondern auch um das nötige Betätigungsgefühl. Besonders die Handbremsbetätigung wird mit kalten Fingern extrem problematisch.

Leiste dir ein neues Visier, wenn dein altes bereits Kratzer hat. Fahren im Winter bedeutet ständig die optimale Fahrlinie zu suchen und nachzukorrigieren. Ein neues Visier erleichtert diesen Vorgang enorm; besonders bei Dämmerung oder diesigem Wetter.

Das Fahren

Beim Thema „Bereifung“ haben wir es schon angesprochen. Wir haben ein Problem mit der Reifentemperatur. Je höher die Geschwindigkeit ist, für die der Reifen ausgelegt ist, umso größer ist das Problem. Wenn die Außentemperatur unter 15 Grad liegt, müssen wir damit leben, keine ordentliche Reifentemperatur zusammenzubringen, mit der sich das Erreichen der Rutschgrenze vernünftig ankündigt.

Beim Fahren – auch bei trockener Fahrbahn – sollten wir also weit genug von der Rutschgrenze entfernt bleiben. Kurven sollten deshalb sehr früh angebremst werden. Im Einlenkbereich der Kurve sollten wir keinen falschen Ehrgeiz bei der Geschwindigkeitswahl zeigen. Dafür können wir später einlenken und früher aus der Kurve heraus beschleunigen. Eventuell bekommen wir in der Beschleunigungsphase – wenn die Linie weit aufmacht – Rückmeldungen vom Hinterreifen, ob wir uns schon an der Rutschgrenze bewegt haben.

Um unsere Reflexe zu trainieren und mit kurzen Rutschern einigermaßen locker umgehen zu können, sollten wir Rutschen dort trainieren, wo das Risiko gering ist. Beim aufrechten Überfahren von Metalldeckeln, Rollsplittflecken und ähnlichen Stellen, kann durch Gasgeben das Durchdrehen des Hinterrades provoziert werden.

Noch wichtiger als im Sommer wird es, mit der Handbremse richtig umgehen zu können. Wer im Winter fährt, sollte unbedingt einmal pro Woche auf einem Parkplatz Bremsübungen machen.

Fahren auf Schnee

Mit einer leichten Enduro auf einem verschneiten Feldweg zu fahren, kann schon Spaß machen. Im Straßenverkehr auf gepresster Schneefahrbahn fehlt uns jede Seitenführung. Unabhängig von der Geschwindigkeit kann auch bei gerader Fahrt das Vorderrad zur Seite rutschen. Da Autofahrer auch bei solchen Bedingungen zu knappe Abstände halten, wird es jetzt gefährlich.
Also: Kein Motorradfahren auf Schneefahrbahn!

Fahren im Verkehr

Die Problematik, von Autofahrern zu spät oder überhaupt übersehen zu werden ist im Winter noch ausgeprägter. Beim Fahren im Straßenverkehr sollte deshalb dieses Problem besonders ernst genommen werden:

Größerer Seitenabstand bei parkenden Autos und Kreuzungen (weiter links im Fahrstreifen fahren).

Nicht in toten Winkeln fahren. Wenn es sich kurzfristig nicht vermeiden lässt, hupbereit fahren.

Oft ist nach dem Vorschlängeln ein schnelles Wegbeschleunigen notwendig. Wenn die Straßen bereits einmal gestreut wurden, hat sich der Rollsplitt oft genau dort angesammelt, wo Motorradfahrer vorschlängeln. Also Achtung bei, dass das Hinterrad beim Wegbeschleunigen nicht ausbricht.

Anmerkungen

Diese Ratschläge sind aus eigenen Erfahrungen, aber auch Erfahrungen mit Fahrschülern entstanden.
Motorradfahren im Winter wird immer mit einem höheren Risiko als im Sommer verbunden sein. Dass durch Anwendung dieser Ratschläge Stürze vermieden werden, kann nicht garantiert werden.

Links auf dieser Website:
Motoradbatterien pflegen

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Gerhard Nigischer | 11.01.2014 08:03:41 | 1 Kommentare
Schlüsselwörter: Batterie, Bodenhaftung, Fahrtechnik, Wartung, Winter

Kommentare

Kommentare
sem
Hier in Spanien geht´s noch. Tolle Tipps.
17.02.2014 10:01:46
 
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