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Kommen neue Ausbildungsvorschriften?

Vorgeschriebene Mindestausbildung

Derzeit gelten für die Motorradausbildung (A1, A2 und A) folgende Mindeststundenvorschriften:

  • Theoriekurs von 8 Unterrichtseinheiten

  • mindestens 12 praktische Unterrichtseinheiten (Fahrstunden)

Während der Motorradsaison 2014 haben wieder Diskussionen begonnen, ob diese Vorschrift geändert werden sollte. Anlass dafür waren Unfallstatistiken, die ein erhöhtes Unfallrisiko in der Gruppe der über 39-jährigen Motorradfahrer belegen sollten.

Das Problem mit diesen Statistiken ist, dass sich die Unfallzahlen nicht kontinuirlich entwickeln (wie bei den PKW-Unfallzahlen), sondern extreme Ausschläge abhängig vom Wetter und der Lage der Oster- und Pfingstferien haben.

Da erst im Jänner 2013 eine erhebliche Änderung beim Prüfungssystem durchgeführt wurde und im November 2013 eine neue Version des Prüferhandbuchs eingeführt wurde, haben die österreichischen Fahrschulen darauf hingewiesen, dass eine seriöse Beurteilung dieser Maßnahmen erst nach einiger Zeit möglich ist. Eine Änderung der Ausbildungsvorschriften zum jetzigen Zeitpunkt, halten die österreichischen Fahrschulen deshalb für falsch.


Neue Mindestausbildung?

Trotzdem liegt im Verkehrsministerium der Entwurf für neue Ausbildungsvorschriften. Wie dieser Entwurf genau aussieht, ist uns nicht bekannt. Es kursiert aber diese Version:

  • Theoriekurs von 6 Unterrichtseinheiten (statt 8)

  • mindestens 14 praktische Unterrichtseinheiten (statt 12)

  • zusätzlich 2 praktische Unterrichtseinheiten für über 39-jährige Fahrschüler


Die Meinung von A-EXPRESS dazu:

Eine Verkürzung des Theoriekurses wird wahrscheinlich jeder Fahrschüler begrüßen. Gerade der Motorradkurs vermittelt aber besonders viele Inhalte, die für das Fahren extrem wichtig sind: Kurvenlinie, Bremstechnik, Verhalten auf rutschiger Fahrbahn, Unfallvermeidung, ...
Möchte man den Theoriekurs verkürzen, müssten aus dem Lehrplan und dem Prüfungsfragenkatalog alle Inhalte entfernt werden, die für die Sicherheit und den Fahrbetrieb nicht von so hoher Bedeutung sind. Zum Beispiel muss in der Fahrzeugtechnik vieles unterrichtet werden, dass in der Praxis kaum Anwendung findet.
Diese Entrümpelung ist aber nicht vorgesehen und deshalb sind wir gegen eine Verkürzung des Theoriekurses.

Eine Anhebung der Mindestfahrstunden hört sich vernünftig an; allerdings bedeutet es für die Fahrschüler, die mit den bisherigen 12 Fahrstunden bequem ihr Ausbildungsziel erreicht haben, eine Verteuerung der Ausbildung. Für die Fahrschüler die auch bis jetzt schon mehr Fahrstunden gebraucht haben, macht die Anhebung der Mindestfahrstunden keinen Unterschied.
Die nochmalige Anhebung für über 39-jährige Fahrschüler halten wir für falsch.


Prüfungsanforderungen statt Mindestfahrstunden

Generell stellt sich die Frage, ob eine Mindeststundenvorschrift geeignet ist, die Fahrsicherheit zu erhöhen.
Besser halten wir den Weg der genau definierten Prüfungsanforderungen. Durch das Prüferhandbuch das im November 2013 neu eingeführt wurde, haben sich bereits Verbesserungen gezeigt.
Die Lenkerprüfer beurteilen wesentlich mehr Details einer Fahrweise als das davor geschehen ist. Die Prüfung ist dadurch schwieriger, aber auch gerechter geworden.
Auf diesem Weg sind Verbesserungen für die Verkehrssicherheit schneller und verlässlicher zu erzielen.


Ärgernis für Fahrschulen und Kunden

Besonders ärgerlich ist der Umstand, dass die kommende Änderung für 1. Februar angekündigt war, aber offensichtlich nicht eingeführt wurde. Da es weder eine Information über die genauen Inhalte der Änderung gibt, noch einen neuen Termin für die Einführung, können die Fahrschulen zur Zeit ihre Kunden nur über die Möglichkeit einer Änderung informieren, aber keine verlässlichen Informationen geben, ob und wie sich die Ausbildungskosten verändern werden.

Update: Mit 16.3.2015 wurden die Vorschriften geändert.

Links:
Neue Vorschriften mit 16.3.2015 »

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Gerhard Nigischer | 17.02.2015 09:27:11 | 0 Kommentare

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